In Zeiten der Krisen kämpft auch das Gesundheitssystem. Soziale Sicherungssysteme wie die Krankenversicherung leiden unter dem demographischen Wandel. Die überproportionale Alterung unserer Gesellschaft verursacht Finanzprobleme, die zu Angst und Unsicherheit führen, besonders im System der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Die Allgemeinheit befürchtet eine regelrechte Kostenexplosion bezüglich der Beitragssätze der GKV. Der Großteil der Bevölkerung, nämlich rund 90 % ist gesetzlich krankenversichert, nur rund 10 % sind Mitglied in der Privaten Krankenversicherung.

Dementsprechend riesig ist Anzahl der Betroffenen, die sich auf erhebliche Veränderungen bei den gesetzlichen Krankenkassen einstellen müssen. Da die GKV eine der unersetzlichen Institutionen ist was die soziale Sicherung angeht, sind mehr oder weniger gravierende Veränderungen unumgänglich, damit der Weiterbestand des Gesundheitssystems in dieser oder ähnlicher Form gewährleistet werden kann. Die Schwierigkeit des demographischen Wandels ist zum einen der Anstieg der Ausgaben und zum anderen die Verringerung der Einnahmen.

Da sich der Bevölkerungsanteil der älteren Menschen extrem erhöht, steigt die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen, denn alte Menschen sind allgemein häufiger von Krankheit betroffen und auf ärztliche Versorgung angewiesen als dies bei jungen Menschen der Fall ist. Ferner nimmt auch die Anzahl der Todesfälle aufgrund der gesellschaftlichen Alterung rapide zu, wodurch es zu einem sprunghaften Wachstum der Ausgaben kommt. Mit  Anstieg der benötigten Leistungen steigen also die Kosten.

Gleichzeitig werden die Einnahmen immer weniger, da der Kreis der Versicherten im erwerbsfähigen Alter stetig kleiner wird und die Zahl der Beitragszahlenden dementsprechend sinkt. Die Jüngeren müssen die Kosten für die Älteren mit tragen. Man kann davon ausgehen, dass die Ausgaben für einen Einzelnen bezüglich benötigter Gesundheitsleistungen im höheren Alter etwa acht Mal so hoch sind als für einen beispielsweise Zwanzigjährigen.

Die Kluft zwischen Einnahmen und Ausgaben wächst und fordert logischerweise eine Erhöhung des Beitragssatzes für die gesetzliche Krankenversicherung. Da die GKV genau wie die gesetzliche Rentenversicherung nach dem Umlageverfahren arbeitet, werden keine Rücklagen gebildet, die für den demographisch bedingten Anstieg der Kosten eingesetzt werden können. Laut Prof. Bert Rürup, Volkswirtschaftler, wird es eine solche Kostenexplosion wie allgemein befürchtet, nicht geben. Der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung trifft die Aussage, die demographische Entwicklung werde sich weit weniger dramatisch auf die Beitragssätze der gesetzlichen Krankenversicherung auswirken als von den meisten angstvoll erwartet wird. Bei seiner Berechnung stellt Rürup die Entwicklung der Altersstruktur in den Zusammenhang mit weiteren, die Höhe der Beitragssätze beeinflussenden, Faktoren.

Der in den letzten Jahren erfolgte Anstieg der Beitragssätze für die gesetzliche Krankenversicherung von 9,5 % auf über 14 % ist laut Rürup weniger als Folge des demographischen Wandels zu sehen als vielmehr als Konsequenz steigender und dauerhafter Massenarbeitslosigkeit, vermehrter Frühverrentungen und sinkender Lohnquote. Resultierend daraus seien die Ausgaben stärker gestiegen als die Einnahmen. Andere Analysen und Untersuchungen jedoch präsentieren ein konträres Ergebnis: Je älter die Versicherten, umso höher war der Anstieg der Ausgaben. Schlussfolgernd daraus ist mit dem Anstieg des gesellschaftlichen Alters ein eindeutig überproportionaler Anstieg der Kosten zu erwarten. Dies sagt das Wissenschaftliche Institut der PKV.